
2022 (3. Dezember)

Beim dritten Anlauf erfolgreich – Seume-Tagung am 3. Dezember 2022 in Grimma
Nachdem im Dezember 2020 eine von der Seume-Gesellschaft geplante Vortrags- und Diskussionsveranstaltung unter dem Motto „Von Sachsen in die Welt“ mit dem Schriftsteller Friedrich Christian Delius, dem wandernden „Daumenkino-Volker“ Gerling und dem Autor Klaus Müller (der auf Seumes Spuren zu DDR-Zeiten auf eine ungenehmigte Bildungsreise nach Italien aufbrach) Pandemie-bedingt abgesagt werden musste, wurde ein Jahr später online improvisiert – mit Klaus Müller, der Extremwanderin Christine Thürmer, und Volker Gerling – und nun 2022, wiederum am Jahrestag (diesmal des 221.) des Starts von Johann Gottfried Seume auf seinen „Spaziergang nach Syrakus“, konnte endlich eine Veranstaltung in Grimma stattfinden. Am historischen Ort, in Göschens Gut, vis-a-vis des Landsitzes des Verlegers Göschen, der Arbeitgeber und Freund Seumes in seiner Grimmaer Zeit war, von wo aus der Start zum weltberühmten Spaziergang erfolgte.
Der Literaturwissenschaftler und Autor Jan Röhnert eröffnete mit einem biographischen Rückblick auf seine Kindheit um einen Steinbruch am Elternhaus, und seiner sich dort entwickelnden Faszination vom Kalkstein, die er in seinem Buch „Vom Gehen im Karst“ literarisch verarbeitet, und mit dem Publikum überzeugend teilt: Er wandert im Karst, und macht dabei nicht nur geografische Entdeckungen.
Anschließend beginnt die Reiseschriftstellerin Carmen Rohrbach ihren Vortrag mit einem sehr persönlichen Rückblick: auf ihre Kindheit in der DDR der 60er Jahre und auf das entfachte Fernweh, ihre vergeblichen Versuche, dies unter den damaligen Bedingungen in der DDR zu stillen, ihre missglückte Flucht über die Ostsee, die im Gefängnis endete, bevor sie dann freigekauft wurde und doch noch ihren Traum vom Reisen erfüllen konnte – und damit das Publikum faszinierte. Diese Reisen sind ein Eintauchen in andere Kulturen, mit Einfühlungsvermögen, viel Zeit, teilweise auch dem Erlernen der jeweiligen Sprachen.
Im abschließenden dritten Teil stand die Route des Seume‘schen Spaziergangs im Mittelpunkt, zum einen Berichte von Enthusiasten, die diesen Weg absolvierten unter verschiedenen Arrangements, inklusive einer Videoschaltung zu Eric Pawlitzki, einem Mitglied der Seumegesellschaft, der gerade unterwegs aus Neapel von seinem „Spaziergang“ berichtete. Zum anderen Erklärungen zum Stand des Projektes der Gesellschaft, die Route des Spaziergangs auf die Landkarte zu bringen, einen Wanderweg zu entwickeln, der Fern- wie lokales Wandern auf den Spuren Seumes erlaubt, und darüber hinaus als Kulturroute angedacht ist – und dessen allererste Etappe konzeptionell im vergangenen Sommer in einem LEADER-finanzierten Projekt angegangen wurde.
Insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung im Geiste Seumes, unterwegs zu sein und dabei nicht nur geografische Entdeckungen zu machen, sondern eben auch auf die Menschen zuzugehen. Für Interessierte: Es war nicht die letzte Veranstaltung dieser Art– eine Fortsetzung ist für den 2. Dezember 2023 in Planung.
